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GENERATIVER GEIGENBAU. Tradition trifft Hightech

Maßgeschneiderte Kinnhalter

Der Kinnhalter ist ein konkaver Aufsatz, der es dem Violinenspieler erlaubt, das Instrument mittels Kinn- und Schulterdruck sicher und bequem zu halten, ohne dass die Klangentfaltung durch Berühren der Decke des Instruments beeinträchtigt wird.

Die Anforderungen an einen Kinnhalter sind hoch: Er muss nicht nur zur Kopfform und Halslänge passen, sondern auch noch die Vorlieben des Musikers in Bezug auf Farbe, Form und Material erfüllen. Herkömmliche, seriell gefertigte Kinnhalter können diese komplexen Ansprüche nur in den seltensten Fällen erfüllen. Viele Violinisten spielen daher tagtäglich mehrere Stunden mit einem Kinnhalter, der nicht richtig zu ihnen passt. Dies kann nicht nur unbequem sein, sondern durch resultierende Fehlhaltungen langfristig sogar zu gesundheitlichen Problemen führen.

Generative Fertigungsverfahren ermöglichen die kostengünstige Herstellung von individuellen Kinnhaltern in vier einfachen Schritten:

1) Mit einer Knetmasse wird der Kinnabdruck des Musikers abgeformt.

2) Der Abdruck wird anschließend mit einem 3D-Scanner digitalisiert.

3) In einem CAD-Programm kann der erfasste Kurvenverlauf nun auf einen bestehenden Kinnhalter übertragen und weitere Variablen wie z.B. die Höhe oder die äußere Form des Halters angepasst werden.

4) Der individualisierte Kinnhalter kann schließlich ganz einfach gedruckt werden. Hierbei stehen – je nach Wunsch – verschiedene Material- und Farboptionen zur Auswahl.

Individuelle Griffstücke

Seit über 200 Jahren hat sich die Bauweise von Geigenbögen nur unwesentlich verändert. Kern eines jeden Bogens stellt der Frosch dar – ein Spannelement, das gleichzeitig den Griff des Bogens bildet. Dass traditionelle Geigenbögen jedoch alles andere als ergonomisch sind, wird vor allem in der Lehre deutlich: Viele Einsteiger klagen über erhebliche Probleme mit der kontraintuitiven Haltung des Bogens. Auch fortgeschrittene Musiker berichten von Druckschmerzen und Verspannungen in der Bogenhand nach langen Übungsstunden.

Generative Fertigungsverfahren könnten eine Lösung für dieses Problem bieten. Sie ermöglichen die kostengünstige Herstellung individueller Griffstücke, angepasst an die Handgröße, Fingerlänge und persönliche Vorlieben des Musikers. Multimaterial-3D-Druck-Verfahren (z.B. PolyJet) könnten es zudem in Zukunft ermöglichen, solche Griffe mit unterschiedlich harten oder weichen Zonen zu versehen. Das obere Bild zeigt das Redesign eines Bogengriffes mit einem festen Rumpf (braun), aber definierten, weicheren Griffzonen (grau) für Daumen und kleinen Finger.

Durch eine Funktionsintegration in den Griff könnte zudem die Bauteilanzahl verringert und das Wechseln des Bogenhaares vereinfacht werden. Über Hohlräume und Strukturen im Inneren des Griffes ließen sich Gewicht und Schwerpunkt des Bogens gezielt beeinflussen.

 

 

 

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